Stand Februar 2026
Bei den Kühen besteht in erster Linie ein Risiko, dass sich das Euter entzünden kann. Gründe dafür könnten eine erhöhte Beanspruchung durch das Besaugen der Kälber und dem gleichzeitigen Besuch des Melkroboters sein. Außerdem könnten Krankheitserreger von den Kälbern von einer Kuh zur nächsten übertragen werden.
Bisher gab es bei drei von 25 Kühen eine leichte Euterentzündung, die in den ersten Tagen aufgetreten ist, zwei Tiere waren zeitgleich betroffen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Erreger von einer Kuh zur nächsten übertragen wurden. Alle Euterentzündungen waren nicht weiter schlimm. Sie wurden homöopathisch behandelt und waren nach etwa einer Woche ausgeheilt.
Wenn eine Euterentzündung mit Antibiotika behandelt werden müsste, könnte diese Kuh ihre Kälber nicht mehr versorgen. Zum einen würden die Kälber den Wirkstoff aufnehmen, zum anderen wäre der Wirkstoff nicht mehr lange genug im Euter, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen. In so einem Fall hätte die Kuh zwei Probleme gleichzeitig: Die Euterentzündung und die Entwöhnung vom Kalb. Das wäre für die Kuh sicherlich mit Stress verbunden, was sich wiederum negativ auf die Heilung auswirken würde.
Eine Behandlung mit homöopathischen Mitteln, bzw. Akkupunktur, so wie wir es hier auf dem Hof in erster Linie machen, ermöglicht die weitere gemeinsame Zeit zwischen Kalb und Kuh. Der Entwöhnungsstress würde dann entfallen.
Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Kühe nach der Geburt eine stabile Gesundheit aufweisen, wenn sie ihre Kälber versorgen. Eine Kuh hatte diese Stabilität nach der Geburt noch nicht und brauchte selbst erstmal gesundheitliche Unterstützung für den Kreislauf. In diesem Fall wurde das Kalb zwar im Stall mit den anderen Kälbern gehalten, bekam hier aber Milch aus dem Nuckeleimer. Dieses Kalb hat auch keine Milch aus dem Euter der anderen Kühe gesoffen.
Vor dem Versuch hatte ich gehofft, dass Durchfall für die Kälber keine große Rolle mehr spielen würde, wenn sie die Milch direkt aus dem Euter saufen. Leider hat sich das als Trugschluss erwiesen. Bisher hat fast jedes Kalb für ein paar Tage Durchfall bekommen. Beim herkömmlichen Verfahren konnten die Kälber bei Durchfall mit zusätzlichen Elektrolyten oder einem speziellem Pulver für Durchfallerkrankungen versorgt werden. Das ist jetzt nicht mehr so einfach möglich, da die Kälber den Nuckeleimer noch nicht so gut kennen.
Die Durchfallproblematik führte 2024 fast zu einem Ende des Versuchs. Bei allen Kälbern wurden Kryptosporidien als Durchfallerreger festgestellt. Seit 2025 werden die kranken Kälber mit einem Bolus mit Natriumbicarbonat 2 bis 3 Tage behandelt, damit sie weiter Durst haben und nicht übersäuern. Zusätzlich werden die Kühe vor der Geburt gegen Kryptosporidien geimpft. Das hat sich bisher als gute Maßnahme gezeigt, es bleibt aber noch abzuwarten, ob das nachhaltig so bleibt.
Ein weiteres "Problem" ist die Tatsache, dass es nicht mehr möglich ist, zu erkennen, wie viel Milch ein Kalb täglich zu sich nimmt. Das erschwert die Erkennung von Krankheiten. Wir müssen vermehrt auf andere Krankheitshinweise bei den Kälbern achten. Das ist eine Umgewöhnung, aber bis jetzt würde ich sagen, machbar.