Auf dem Weg zur nachhaltigeren Landwirtschaft- Rückblick und Ausblick 2025/2026

Ein spannendes Jahr ist zu Ende gegangen und ein wahrscheinlich genauso spannendes Jahr hat gerade begonnen. Ich wünsche Euch allen einen guten Start ins neue Jahr und alles Gute für 2026. Gerne möchte ich Euch auf den neuesten Stand bringen, wo wir auf dem Brunkshof mit unserem Weg zu mehr Nachhaltigkeit gerade stehen und was unsere kurzfristigen und langfristigen Ziele aktuell sind.


Hofladen und Milchtankstelle
 
Beim Hofladen und der Milchtankstelle sind zur Zeit keine Veränderungen geplant. Kleine Veränderungen im Sortiment sind aber natürlich immer möglich. Im letzten Jahr wurde das Sortiment unseres Hofladens durch Gemüse aus dem Gemeinschaftsgarten in Stemmen ergänzt. Das hat (zeitlich begrenzt und in kleinen Mengen) wunderbar funktioniert und wird auch in diesem Jahr wieder so sein. Auch im nächsten Jahr werden wieder ca. 20 Lieferanten den Hofladen mit regionalen Erzeugnissen von allerbester Qualität beliefern. Die Milchtankstelle wird auch wieder täglich für Euch geöffnet sein.

Mutterkuhgebundene Kälberaufzucht:
 
Im Jahr 2025 konnten die (im letzten Jahr noch zu großen) Herausforderungen aus dem Vorjahr zum Glück überwiegend gelöst werden.
Das waren im Grunde drei Dinge:
1. Der Trennungsschmerz nach der gemeinsamen Aufzuchtzeit- Während im Jahr 2024 noch ein permanentes Anrecht der Mutterkühe bestand, in den Kälberstall zu gelangen, wurde dieses Anrecht auf zwei Stunden täglich (einmal morgens und einmal abends) begrenzt. Das hatte ein paar Vorteile. Für die Kühe war es von Beginn an so, dass es Zeiten gab, bei denen ein Kontakt zu den Kälbern nur über den Zaun und nicht direkt möglich war. Dadurch war die Entwöhnung nach der Tränkezeit deutlich erleichtert. Außerdem ist auf diese Weise die Beobachtung der Kälbergesundheit einfacher, da es nur zwei Tränkezeiten gibt und die Kälber dann auch Hunger haben sollten, wenn sie gesund sind. 
2. Durchfall bei den Kälbern- Alle neugeborenen Kälber bekommen durch die gemeinsame Aufzucht in einem Stall Kontakt zu Krankheitserregern der älteren Kälber. Dadurch ist auch eine Infektion mit Durchfallerregern nicht zu vermeiden. Um den Durchfall nicht lebensbedrohlich werden zu lassen, werden nun alle Kühe vor der Geburt geimpft. Die Kälber nehmen dann über die Muttermilch die Schutzstoffe gegen die Durchfallerreger auf. Sobald Symptome zu erkennen sind, erfolgt zusätzlich eine Behandlung der Kälber mit einem Kräuterextrakt , dass den Darm unterstützen soll und einem Bolus mit Natriumbicarbonat, der verhindert, dass die Kälber durch den Flüssigkeitsverlust übersäuern und dann keinen Durst mehr haben. Diese Maßnahmen haben insgesamt ganz gut funktioniert.
3. Regenwetter- während der Versuchsphase gab es nur ein provisorisches Dach mit einer Plane. Bei stärkeren Regenfällen war es für Kühe und Kälber ziemlich matschig. 

 

Im Sommer hat diese Aufzuchtform so gut funktioniert, dass jetzt ein fester Unterstand für die Kälber gebaut wurde. Im Frühjahr 2026 soll dieser Bereich dann fertig gestellt sein und aus einem Versuch, der zwar am Anfang vielversprechend war, aber auch sehr viele Herausforderungen mit sich brachte, ist ein fertiges Aufzuchtsystem geworden. Ich freue mich sehr darüber und bin schon gespannt, wie das System dann im fertigen neuen Stall funktioniert.

Regenerative Landwirtschaft

Hinter uns liegen jetzt zwei Jahre mit regenerativer Landwirtschaft. 2025 war das erste Jahr, in dem von der Aussaat bis zur Ernte Maßnahmen umgesetzt wurden.  Das Ziel bei der regenerativen Landwirtschaft ist eine Belebung der Bodenlebewesen. Durch die Belebung soll zum Beispiel Humus aufgebaut werden. Außerdem sollen sich Bodenverdichtungen verringern und der Boden so widerstandsfähiger gegen Trockenheit oder Starkregenereignisse werden. Nach der Verbesserung des Bodenlebens sollen die darauf wachsenden Pflanzen auch widerstandsfähiger gegen Krankheiten sein. Außerdem ist dann weniger synthetischer Dünger notwendig. Um das zu testen, wurde im abgelaufenem Jahr einiges ausprobiert. In erster Linie wurde vieles weggelassen. Das Grünland wurde nicht mehr mit synthetischem Stickstoff gedüngt, die Ackerkulturen nur noch mit sehr wenig davon. Als Ersatz dafür gab es Kompost aus einer Grünschnittsammelanlage.  Auf Pflanzenschutzmittel gegen Insekten konnte fast vollständig verzichtet werden. Außerdem wurde im Getreide gar keine vorsorgliche chemische Behandlung gegen Pilzkrankheiten unternommen.  Als Ersatz dafür wurden effektive Mikroorganismen, homöopathische Mittel  und Komposttee ausgebracht.
Das Ergebnis war für den Anfang ganz vielversprechend. Die Getreidepflanzen waren bis Mitte Juni frei von Pilzkrankheiten. Dann traten diese allerdings massiv auf. Die Erträge lagen für unseren Betrieb im durchschnittlichen Bereich, im Vergleich zu Nachbarbetrieben allerdings unter dem Durchschnitt. Aber da ja auch der Aufwand niedriger war, ist das für mich in Ordnung und wird nächstes Jahr wieder probiert. Herausfordernd waren ein höherer Unkrautbesatz durch die veränderte Bodenbearbeitung und auch ein deutlich schlechteres Wachstum der Kulturpflanzen an Stellen, wo der Boden Schäden durch Verdichtung hatte. (Bild 5)  
Bei den Kartoffeln hat mich sehr gefreut, dass die Qualität der Kartoffeln in diesem Jahr sehr gut war. Insbesondere der Befall der Knollen mit Drahtwurm war nur sehr niedrig. Woran das gelegen hat, kann ich nicht genau sagen. Es gab eine chemische Behandlung beim Pflanzen der Kartoffeln und zwei homöopathische Behandlungen speziell gegen den Drahtwurm. Außerdem wurde überwiegend mit Kompost statt mineralisch gedüngt und mehrfach Komposttee ausgebracht. Komposttee ist eine Flüssigkeit, die sehr viele Pilze und andere Mikroorganismen enthält. Wir stellen den Komposttee selbst her und bringen ihn dann alle paar Wochen aus. (Bild 6) Das soll die Pflanzen insgesamt unterstützen.
Nach der Ernte 2025 wurden viele Ackerflächen vor der Aussaat der Zwischenfrucht mit einem Tiefenlockerer von Bodenverdichtungen befreit. Außerdem wurde im Jahr 2025 eine gezielte Ausgleichsdüngung vorgenommen, die das Ziel verfolgt, dass die Nährstoffe im Boden in einem richtigen Verhältnis zueinander stehen und sich nicht gegenseitig blockieren. Wie das wirkt, zeigt sich in den nächsten Jahren.
Zusammenfassend lässt sich sagen- es gibt viel Potential und genau so viele Herausforderungen. Im ersten Schritt kostet es erstmal Geld und Zeit. Ich hoffe, das zahlt sich irgendwann aus.
 

Antibiotikaeinsatz

 
Seit zwei Jahren gibt es in Deutschland auch für Milchviehbetriebe ein Monitoring für den Verbrauch von Antibiotika. Im ersten Halbjahr des Jahre 2025 lag der Wert unseres Betriebes bei durchschnittlich 0,383 Tagen, die eine Kuh unter einem Antibiotikawirkstoff stand. Der Durchschnitt aller Betriebe lag bei 2,139 Tagen. Das alleine ist zwar noch kein Beweis, aber doch ein sehr starkes Indiz für die Wirksamkeit der bei uns eingesetzten Homöopathie, der effektiven Mikroorganismen und der Akkupunktur.
 Die gute Wirksamkeit des eingeschlagenen Weges zeigt sich in einer bisher so noch nie erreichten Eutergesundheit und Langlebigkeit der Kühe
Mittlerweile gehört unsere Herde zu den ältesten Herden in Deutschland. Eine durchschnittliche Kuh wird bei uns in etwa 7,6 Jahre alt und damit zwei Jahre älter als beim Durchschnitt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich dieser Wert in den nächsten Jahren noch verbessert und möglichst viele Kühe älter als 10 Jahre alt werden. 

 

 

Verlängerte Zwischenkalbezeit und saisonale Abkalbung

 

Während es früher bei uns üblich war, dass eine Kuh etwa alle 400 Tage ein Kalb bekommen hat, geben wir unseren Kühen jetzt im Durchschnitt 670 Tage Zeit. Dafür gibt es ein paar gute Gründe, wie zum Beispiel mehr Erholungszeit für die Kühe oder weniger Arbeitsaufwand durch die Versorgung von Kuh und Kalb, da es deutlich weniger Geburten gibt. Auch die oben schon erwähnte verbesserte Eutergesundheit und Langlebigkeit der Kühe hängen mit großer Wahrscheinlichkeit damit zusammen. Als Nachteil haben wir allerdings eine geringere Jahresmilchleistung der Kühe und weniger Kälber. Somit fehlt ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf von Kälbern, Färsen (das sind Kühe, die gerade einmal gekalbt haben) oder der Milch. 

 

Eher zufällig hat sich daraus die Möglichkeit ergeben, die Zeiten, in denen Kühe kalben, gezielter zu steuern. Zukünftig kalben bei uns Kühe nur noch im Frühjahr und im Herbst. Im Sommer und Winter haben wir keine Kalbungen mehr und somit auch keine kleinen Kälber zu versorgen und zu überwachen. Durch diese gezielte Abkalbezeit ist es hoffentlich auch möglich, dass alle Kälber von ihren Müttern versorgt werden können. Das wäre im kalten und nassen Winter möglicherweise schwierig. Im Moment stelle ich gerade erstaunt fest, wie viel Einfluss die Überwachung und Versorgung der kalbenden Kühe und der kleinen Kälber auf die Arbeit hat. Ohne diese Arbeiten fällt nicht nur die Arbeit, sondern auch ein Großteil der "Dauerbereitschaft" weg, die dadurch notwendig war, dass zu jeder Zeit eine Kuh kalben konnte. Diese Bereitschaftszeit hat sich von 365 Tage auf die Hälfte reduziert.


Blühflächen

Auch im Jahr 2026 wurden wieder auf fast allen Ackerflächen Blühstreifen angelegt, um für Insekten einen Lebensraum zu bieten. Insgesamt waren es in diesem Jahr ca. 18.000 Quadratmeter. Die Jägerschaft Rotenburg unterstützt eine Anlage dieser Flächen finanziell. Dafür an dieser Stelle vielen Dank!

Bauernhofbesuche

Im letzten Jahr gab es wieder zahlreiche Besuche von Kindergärten und Schulen. Auch eine Gruppe der Tagespflege der Diakoniestation Scheeßel war zu Besuch. Das hat nicht nur den Besuchern sehr viel Freude bereitet, sondern auch mir!

Vielen Dank an dieser Stelle an den Verein NEUA e.V., der diese Besuche finanziell unterstützt.

Ich bin gespannt, wie sich die Dinge im nächsten Jahr entwickeln und freue mich auf die Begleitung und Entwicklung  dieser Aufgaben und Herausforderungen.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei Euch allen für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken. Ich hoffe, ihr habt auch 2026 weiterhin viel Freude an unserem Hofladen, der Milchtankstelle oder der Begleitung unseres Weges zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft.

 

Karsten