Welchen Einfluss hat die mutterkuhgebundene Kälberauftzcht auf das Verhalten der Tiere

Stand Februar 2026

  • die Kühe müssen in den ersten Tagen nach der Geburt das System mit den Toren verstehen. Das ist für manche Kühe schnell erlernt. Andere Kühe benötigen allerdings einige Tage Zeit und müssen mehrmals täglich durch die Tore getrieben werden. Das bedeutet dann für die Kühe etwas Aufregung und Stress. Manchmal muhen die Kühe, weil sie zum Beispiel auf der Weide am Rand des Kälberstalles stehen und in den Kälberbereich möchten. Dazu müssen sie aber erst zurück in den Stall und dann wieder durch das Selektionstor zurück. Das ist für manche Kühe schwer zu verstehen. Insgesamt tritt ein lautes Muhen der Kühe insbesondere kurz vor der Tränkezeit auf, manchmal aber auch zu anderen Zeiten.
  • Die Kälber rufen nach ihren Müttern fast nur dann, wenn sie Hunger haben. Das trat in diesem Versuch bisher nur auf, wenn es technische Schwierigkeiten gab. 
  • Das gemeinsame Aufwachsen der Kälber fördert die Kommunikation zwischen den Tieren. Sie belecken sich gegenseitig, rennen manchmal gemeinsam durch den Stall und legen sich meistens eng zusammen hin.
  • Die Entwöhnung der Kühe bereitet für die meisten Kühe erstaunlich wenig Probleme. Manche Kühe haben damit aber verständlicherweise Schwierigkeiten. Um die Entwöhnung schonend zu gestalten, wird erstmal das Melkanrecht so verändert, dass die Kühe mit leerem Euter in den Kälberbereich gelangen. Dann haben sie einige Tage Zeit mit dem Kalb ohne Milch abzugeben. Bei vielen Tieren erlischt dann nach und nach langsam das Interesse und die Entwöhnung ist geschafft. Ausnahmen (vielleicht 5 bis 10 %) wird es aber sicherlich immer geben. Der Kontakt über den Zaun bleibt über gegenseitigem Belecken bestehen.
  • erstaunlicherweise ist bisher kaum ein Kalb der Mutter in den Kuhstall gefolgt. Ich hatte vor dem Versuch eigentlich angenommen, dass hier das größte Problem liegen würde...
  • Manche Kühe lassen nur ihre eigenen Kälber Milch aus dem Euter saufen, bei anderen Kühen spielt es keine Rolle und auch andere Kälber dürfen Milch saufen. Bei den Kälbern ist es ähnlich. Es gibt Kälber, die ausschließlich bei der Mutter am Euter saufen. Die meisten Kälber saufen allerdings Milch auch bei den anderen Kühen, wenn sie gerade Durst haben und die Mutter nicht da ist. 
  • Die Umgewöhnung der Kälber nach der gemeinsamen Zeit auf eine Milchtränke über einen Nuckel am Milchtränkeautomaten, wo es Milchpulver gibt, ist ein weiterer wichtiger Punkt. Alle Kälber bekommen direkt nach der Geburt erstmal die erste Milch über einen Nuckeleimer. Dadurch bekommen sie nicht nur die lebenswichtigen Schutzstoffe der Milch, sondern haben auch schon mal den Nuckeleimer kenenngelernt. Mit dieser Erfahrung ist die Umgewöhnung innerhalb von zwei Tagen machbar und bisher kein großes Problem.  Ein Kalb, dass nach der Geburt nicht am Nuckeleimer die erste Milch erhalten hatte, hatte hier deutlich größere Schwierigkeiten.