10 Jahre Vereinigung der norddeutschen Direktvermarkter- ein Interview

Warum kam es vor 10 Jahren zur Gründung der Vereinigung und wie bist Du dazugestoßen?

 

Nachdem es in Hessen ein sehr vielversprechendes Konzept gab, bei dem landwirtschaftliche Direktvermarkter und eine Supermarktkette eine Art Kooperation eingingen, wollte man dieses Konzept auch auf Norddeutschland übertragen. Zu diesem Zweck wurden landwirtschaftliche Direktvermarkter von der Landwirtschaftskammer angeschrieben und es kam zu ersten Treffen. Ich habe von meinem Schwiegervater von diesem Projekt erfahren, der bereits seit vielen Jahren Direktvermarktung betrieben hat. Auf dem Brunkshof hatten wir bis dahin nur den Kartoffelverkauf ab Hof und ansonsten mit Direktvermarktung keine Berührungspunkte.

 

Was ist aus der Zusammenarbeit mit der Supermarktkette geworden?

 

Leider konnte das hessische Konzept aus verschiedenen Gründen nicht 1 zu 1 übertragen werden. Einer der Gründe war der Wille der Geschäftsführung der Supermarktkette. Sie wollten zwar den direkten Kontakt zum Landwirt, aber lieber einzeln und nicht über einen zwischengeschaltetem Verein. Ein weiterer wichtiger Grund war allerdings auch das fehlende Angebot an interessanten, regionalen landwirtschaftlichen Produkten. Die meisten Direktvermarkter hatten ihre Absatzwege bereits in anderen Bereichen (Hofläden, Wochenmärkte). Andere Betriebe wie wir, die bisher kaum mit dem Bereich zu tun hatten, standen vor sehr großen bürokratischen Hürden, wie z. B. der Kennzeichnung und Auszeichnung der Produkte, der Erstellung eines EAN-Codes für die Supermarktkassen u.v.m. Das brauchte sehr viel Zeit zur Umsetzung und hat auch viele abgeschreckt.

 

Wie ging es für den Brunkshof dann weiter?

 

Durch die Hilfe der Vereinigung konnten wir die Voraussetzungen schaffen, um den Lebensmitteleinzelhandel mit unseren Kartoffeln zu beliefern. Da das oben genannte Konzept aber ja nun leider gescheitert war, haben wir direkt Supermarktketten angesprochen und sind so mit der Belieferung angefangen.  Nachdem wir mit drei Supermärkten gestartet waren, wurden es im Laufe der Zeit sechs Märkte. Heute beliefern wir nur noch einen Supermarkt- den EDEKA Burgdorf in Sittensen.

 

Wie ist es zur Reduzierung der Supermärkte gekommen?

 

Dafür gab es verschiedene Gründe. Es fing damit an, dass eine Filiale, die wir beliefert hatten, geschlossen wurde. Dann gab es mal ein kurzfristiges Qualitätsproblem bei unseren Kartoffeln, so dass wir einen weiteren Supermarkt nicht weiter beliefern konnten. Bei anderen Filialen wechselte die Geschäftsleitung und es kamen andere Landwirte in die Filialen, die auch Kartoffeln aus der Region anboten. Letzten Endes haben wir dann die Belieferung eines Supermarktes eingestellt, weil der Weg für eine Filiale zu weit war. Der Aufwand von Fahrzeit und Diesel lohnt sich nur, wenn auch eine entsprechend große Anzahl an Kartoffelsäcken verkauft wird.

 

Heute gibt es auf dem Brunkshof die Theke der norddeutschen Direktvermarkter. Wie ist es dazu gekommen und was hat die Vereinigung der ndt. Direktvermarkter damit zu tun?

 

Ich fand die Idee , dass viele Landwirte gemeinsam ein Sortiment zusammenstellen und es so durch die Vielfalt interessant wird, total spannend. Leider hat es im Supermarkt nicht funktioniert. Ein ähnliches Konzept war die Idee der Marktschwärmer, u. a. in Hamburg  Bei diesem Konzept konnten Kunden in einem Onlineshop Produkte von mehreren Landwirten bestellen und es dann an einem vereinbartem Ort in Hamburg abholen. Dieses eigentlich wunderbare Konzept scheiterte, weil es einfach zu lange dauert, bis sich so eine Idee verbreitet und diese dann auch angenommen wird. Da die Umsätze nicht ausreichend waren, lohnte sich der Weg nach Hamburg für viele Landwirte nicht und dieser Markt konnte nicht aufrechterhalten werden. Es gibt aber andere Regionen in Deutschland, wo die Marktschwärmerei durchaus funktioniert.    

Aus diesen negativen Erfahrungen heraus ist die Idee für die Theke entstanden. Die Grundidee der Marktschwärmerei (also einer Onlinevorbestellung) wollte ich gerne vereinbaren mit einem geringem Aufwand für die Lieferanten. Deshalb kommen die Lieferanten für Frischwaren alle aus der direkten Umgebung oder haben eine Lieferstrecke, die an Stemmen vorbeigeht. Lieferanten, die von weiter weg kommen, haben sehr lange haltbare Produkte und brauchen somit nur selten liefern, dann aber mit größeren Mengen, für die sich die Lieferung lohnt.