Bitte an die Politik

Liebe Politiker/innen, die sich mit der Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland und Europa auseinandersetzen,

ich schreibe diesen Text in der Hoffnung, dass er sie über Kollegen, Freunde oder Bekannte irgendwann erreicht, bevor die Entscheidungen zur Düngeverordnung und der landwirtschaftlichen Ausrichtung der Zukunft getroffen werden.

Ich selbst bin Landwirt, Verbraucher, Umweltschützer und Einzelhändler und bin als Landwirt nur wenig von geplanten Veränderungen der Düngeverordnung betroffen. Gerade deshalb ist es mir wichtig, jetzt etwas zu schreiben. Wenn ich als wenig betroffener Landwirt die geplanten Änderungen für eine absolute Katastrophe halte, hat es hoffentlich eine andere Wirkung, als wenn ich hier ausschließlich um meine eigene Zukunft in Sorge wäre.

 

Jetzt zur Sache:

Es kann nicht sein, dass ein Gesetz oder eine Verordnung beschlossen wird, ohne die Hintergründe zu analysieren und genau zu prüfen. Das wäre in etwa so, als wenn vor Gericht das Urteil gesprochen wird, bevor die Beweisaufnahme abgeschlossen ist. Es gibt heute Möglichkeiten der Wasseranalyse, die zur Aufklärung von Verunreinigungen genutzt werden können. Nutzen Sie diese! Es ist auf jeden Fall falsch, diese Möglichkeiten zu ignorieren. Die wissenschaftlichen Zweifel an der Richtigkeit der Messwerte sind sehr groß!

 

Wenn es auf Grund eines in der Vergangenheit beschlossenem Gesetzes zu Zeitdruck kommt, dann ist es der falsche Weg, jetzt Verordnungen zu verabschieden, die ganz sicher nicht auf Analysen beruhen, sondern nur nach dem Prinzip funktionieren, "Wer am lautesten ruft, hat Recht". Ein Fehler der Vergangenheit wird nicht dadurch besser, das neue Fehler begangen werden. Es muss Zeit gefunden werden zur genauen Analyse der Sachlage. Auf der unten verlinkten Seite sind sehr viele Hintergründe zu finden, die sicher kein Freispruch für die Landwirtschaft bedeuten, die aber deutlich zeigen, dass es unbedingt Untersuchungsbedarf gibt. Bitte schauen Sie sich das an!

 

Wir können uns nicht immer weiter in Auflagen, Verboten und Einschränkungen übertreffen. Es gibt bereits einen Nährstoffvergleich, den jeder Landwirt durchzuführen hat. Dieser zeigt ganz genau auf, ob ein Betrieb zu viel gedüngt hat oder nicht. Es ist ausreichend, wenn Verstöße im Nährstoffvergleich mit abschreckenden Strafen geahndet werden, aber dafür die ganze andere Bürokratie wegfällt. Es gibt sicher auch unter den Landwirten "schwarze Schafe". Bestrafen Sie diese, aber nicht die ganze Branche. Sippenhaft sollte es in Deutschland nicht geben.

 

Obwohl ich fast 10 Jahre in der Beratung der Landwirtschaft gearbeitet habe, bin ich heute nicht mehr alleine in der Lage, eine Düngebedarfsermittlung durchzuführen, weil sie so kompliziert geworden ist. Das kann doch nicht sein. Wir arbeiten schließlich ohnehin mit schwankenden Erträgen, weil wir die Wetterverhältnisse niemals genau vorhersagen können.

Das gesamte Prämiensystem ist ein auf vielen Kompromissen entstandenes kompliziertes Konstrukt geworden. Es macht überhaupt keinen Sinn mehr, darüber nachzudenken, welche Veränderungen an diesem System durchgeführt werden können. Denken Sie bitte mal  ganz neu und überlegen Sie sich, wie Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherwünsche zusammenpassen, ohne das es Verlierer gibt und ohne Berücksichtigung des alten Systems. Einmal zur besseren Vorstellung: Bei unserem Milchviehbetrieb mit etwa 65 Milchkühen wäre ein geradezu lächerlich wirkender höherer Milchpreis von  nur vier bis fünf Cent bereits ausreichend, um die Höhe sämtlicher EU-Zahlungen auszugleichen. Warum gibt es ein System, das mit Kontrollen, Beratung, Anträgen und Prüfungen derart überfrachtet ist? Wir brauchen einfache unbürokratische Systeme!

 

Zum Thema Verbote: Wir können immer mehr verbieten, aber ein Verbot führt immer zu Unmut. Einen viel besseren Effekt erreicht man durch Förderung von positiven Dingen. Ein Beispiel: Nehmen wir an, ein Gesetz würde vorschreiben, dass 20 % Ihres Gartens ab sofort mit einer bestimmten Pflanze bepflanzt werden müsste. Dann fühlen sich alle Gartenbesitzer enteignet. Wenn aber eine Prämie gezahlt werden würde für alle, die diese Pflanzen anbauen, wäre niemand dagegen. Über die Höhe der Prämie ließe sich der Anbau dieser Pflanze steuern und jeder würde freiwillig und gerne die Pflanze anbauen. Das bietet eine komplett andere Gefühlslage!

 

Sollten die geplanten Verordnungen umgesetzt werden, wird Folgendes passieren: Kleinere Betriebe werden aufgeben, weil sie nicht mehr so viel investieren möchten oder können. Auch größere Betriebe werden aufgeben, weil die Kosten nicht gedeckt werden können. Außerlandwirtschaftliche Investoren werden  Flächen aufkaufen und diese unter anderem auch als Ausgleichsflächen der Landwirtschaft entziehen. Die familiäre Landwirtschaft wird aus Deutschland verschwinden- und ist nicht mehr zurückzuholen. Vor- und nachgelagerte Bereiche der Landwirtschaft werden zusammenbrechen. Der gesamte ländliche Raum wird stark geschwächt und vielleicht ganz zusammenbrechen. Wenn das politisch gewollt ist (um zum Beispiel Industriegüter ins Ausland zu exportieren und im Gegenzug als Ausgleich Lebensmittel zu importieren), dann seien Sie so ehrlich und erzählen das auch den Menschen in Deutschland. Ich glaube nicht, dass die Menschen in Deutschland Lebensmittel aus dem Ausland haben möchten, die teilweise ohne Standards erzeugt werden!

 

Lesen Sie sich die Seite, die hier unten verlinkt ist, bitte noch durch. Und handeln Sie dann mit gesundem Menschenverstand. Danke!