Versuch zur gemeinsamen Haltung von Kühen und Kälbern- mutterkuhgebundene Kälberaufzucht

Viele Menschen möchten gerne, das Kühe und Kälber zusammen aufwachsen. Auch in der Natur wäre das Aufwachsen gemeinsam. In der Praxis ist es allerdings üblich, das Kälber und Kühe nach der Geburt getrennt werden. Das ist meistens auch nicht anders möglich, weil die Anforderungen an den Stall so unterschiedlich sind und ein Kalb sich z. B. im Boxenlaufstall, wo die Kühe leben, verletzten würde. In einem Versuch bei uns auf dem Hof möchte ich gerne die optimale Lösung für unseren Bauernhof herausfinden. Grundsätzlich möchte ich die Tiere so naturnah wie möglich halten. Aber gleichzeitig müssen sich alle Tiere immer wohl fühlen und  sich natürlich nicht verletzen. Durch das Anlegen einer Kälberweide in direkter Nachbarschaft zur Kuhweide sollen sich die Tiere hier immer nahe sein können. Mal sehen was alles möglich ist. Am liebsten würde ich die Kälber nach der Geburt morgens und abends direkt am Euter der Kuh saufen lassen. Aber ob das wirklich besser für das Tierwohl ist, muss sich in dem Versuch erst zeigen. Es gilt der Grundsatz: "Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht". Deshalb werde ich meine Tiere genau beobachten, um dann die bestmögliche Lösung zu finden.

Tagebuch vom Versuch 

Tag 0: Kuh und Kalb waren 24 Stunden zusammen in einem Strohstall. Das Kalb hat bei der Mutter aus dem Euter ihre Milch getrunken.

Tag 1: Nachdem die Kuh morgens zum Melkroboter getrieben wurde und das Kalb auf die Kälberweide gekommen ist, sollen sich beide nach dem Melken wiedertreffen. Beim Versuch, die Kuh zur Kälberweide zu treiben, kommen mindestens 30 andere Kühe mit. Ein großes Durcheinander- kein Treffen mehr möglich. Abends wird die Kuh alleine in die Kälberweide getrieben. Die anderen Kühe werden abgetrennt. Die Kuh und alle Kälber sind sehr aufgeregt. Das eigene Kalb beachtet ihre Mutter allerdings kaum. Es liegt die meiste Zeit und trinkt auch keine Milch am Euter. Nach ca. 30 Minuten wird die Kuh wieder zurück gelassen. Sie rennt sehr schnell wieder zurück in den Stall. Bei starkem Regenfall wird das Kalb sehr nass. Es läuft noch nicht mit den anderen Kälbern mit in den Stall.

Tag 2: Morgens um halb fünf beginnt das Kalb zu blöken. Es scheint Hunger zu haben. Das Kalb wird zusammen mit einem anderen Kalb auf die Weide getrieben. Die Kuh wird aus dem Stall heraus ebenfalls dorthin getrieben. Das Herauslassen der Kuh funktioniert, ist aber nicht so einfach, weil viele andere Kühe mit raus wollen. Die Kuh springt über ein Gatter in die Kälberweide zum Kalb, obwohl das Tor auch geöffnet war. Nach etwa fünf Minuten trinkt das Kalb am Euter.  Nach der Trennung der Beiden springt die Kuh wieder zurück in die Kälberweide. Daraufhin wird die Abtrennung der Weiden verbessert und eine zusätzliche Stange angebaut.   

-Tag 3-4: Morgens wartet Rosa bereits an der Stalltür: es ist relativ leicht, sie alleine rauszulassen. Rosa rennt stürmisch zur Kälberweide, wo das Kalb wartet. Nach etwa einer halben Stunde läuft Rosa wieder zügig zurück in den Stall.  

Tag 5: Es kommt immer mehr Routine in diese Arbeit. Kalb und Kuh warten morgens und abends aufeinander. Das Melken der Kuh, nachdem das Kalb getrunken hat, ist noch etwas schwierig. Aus manchen Eutervierteln kommt keine Milch, weil das Kalb alles ausgetrunken hat. Die Milchmenge am Roboter liegt zwischen 1,5 und 3 Litern. Die Verabschiedung von Kuh und Kalb dauert täglich etwas länger. Offenbar wird die Bindung stärker. Das Kalb ist mittlerweile in die Kälberherde integriert und läuft mit den anderen Kälbern auch mit in den Stall.

Tag 6: Das Kalb bekommt Durchfall und Husten. Es trinkt aber nach wie vor ausreichend Milch am Euter- geschätzte Menge: 4 bis 6 Liter pro Mahlzeit, homöopathische Begleitung vom Kalb für zwei Tage- der Husten verschwindet wieder, die Verdauung wird besser

Tag 7: Beginn der Trennung von Kalb und Kuh. Morgens wird Rosa zuerst zum Melkroboter getrieben und erst danach zum Kalb.

Sie treffen sich dort für etwa eine halbe Stunde. Danach gehen beide wieder getrennte Wege und sehen sich tagsüber nicht wieder, obwohl sie die Möglichkeit hätten. Das Kalb bekommt jetzt die Milch aus einem Nuckeleimer und wird später an den Tränkeautomat geführt, wo es Milchpulver bekommt.

Tag 8: Das Kalb hat wenig Hunger. Die Kuh und das Kalb rufen sich oft. Eine Trennung von Kalb und Kuh am Zaun ist schwer möglich. Erst nachdem das Kalb woanders hingetrieben wurde, wo die Mutter das Kalb nicht mehr sehen konnte, geht sie zurück in den Stall.

Tag 9: Das Kalb trinkt nicht. Es wird in einen Einzelstall gebracht, wo es ständig Zugang zu Flüssigkeit hat, ohne das die anderen Kälber es wegtrinken. Das Kalb trinkt wieder ausreichend. Mutter und Kalb sehen sich jetzt nicht mehr. Beide rufen sich zu. Besonders dann, wenn die Kuh noch nicht gemolken wurde. Nach dem Melken am Roboter hört das Rufen auf.

Tag 10- 12: Kuh und Kalb rufen sich noch ab und zu. Das Kalb trinkt jetzt wieder ausreichend.

Ab Tag 13: Kuh und Kalb rufen sich nicht mehr.