Glyphosat, Wasserverunreinigung und Co

Grundvoraussetzung für eine Lösung ist der Wille aller Parteien, Lösungen zu finden.

Landwirtschaft soll alleine Schuld sein am Insektensterben und an zu hohen Nitratgehalten im Grundwasser. Außerdem würden Tiere gequält, um Höchstleistungen aus Ihnen herauszuholen und Gifte auf dem Acker gespritzt.  Mit diesen Anschuldigungen müssen sich meine Berufskollegen und ich uns leider regelmäßig auseinandersetzen. Außerdem sind diese Anschuldigungen der Antriebsmotor der derzeitigen Landwirtschaftspolitik. Ich wünsche mir eine ehrliche Aufklärung und eine wirkliche Ursachenforschung für alle Probleme, um echte Lösungen zu finden. Im Folgenden sind mal ein paar Dinge zur Aufklärung oder zumindest zum kritischen Hinterfragen von Anschuldigungen zusammengefasst.  


Wasserschutz allgemein

Unter diesem Link ist ein Video zu sehen: Der Inhalt in Kürze: Eine Untersuchung der Ursachen für die Nitratbelastung im Grundwasser wird nicht durchgeführt, weil keine Zeit dafür da ist. Ich frage mich, wie Lösungen für Probleme gefunden werden sollen, wenn gar nicht die Ursachen richtig erforscht werden.

https://www.facebook.com/Phoenix/videos/595841741223037/

 Unter dem Link ist eine PowerPoint Präsentation zu sehen, die sich mit Gewässerverunreinigungen und deren Quellen beschäftigt.

  

In Kürze ein paar Informationen aus dem Vortrag:

  • Verbrauch Pflanzenschutzmittel in Deutschland pro Jahr: ca. 35.000 t- Tendenz fallend
  • Verbrauch Pharmazeutika aus der Humanmedizin: ca. 40.000 t- Tendenz steigend
  • Verbrauch Biozide (in Reinigungsmitteln, Seife, Zahnpasta.....): ca. 55.000 t

Bei Pflanzenschutzmitteln ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung Pflicht, bei Pharmazeutika und Bioziden gibt es nur Empfehlungen.

Die Höchstwerte von Pflanzenschutzmittelrückständen sind sehr viel niedriger als die der Pharmazeutika und Biozide. Insgesamt gilt: Nur weil Stoffe in geringen Konzentrationen nachweisbar sind, sind sie noch nicht zwingend schädlich. Sie sollen aber nicht im Grundwasser zu finden sein. 

Mit der heutigen Technik ist es möglich, Wasserverunreinigungen genau zurück zu verfolgen. Finden sich zum Beispiel Stoffe wie Süßstoff oder Rückstände der Humanmedizin im Wasser, stammt das Wasser sicher aus dem Humanbereich. Kläranlagen können diese und viele andere Stoffe nicht filtern. Jeder von uns muss also genau darauf achten, was in die Toilette gespült wird.  Diese Stoffe gelangen alle in den Kreislauf, aus dem unser Trinkwasser gewonnen wird. Zu diesen Stoffen gehört z. B. auch Nikotin von weggeworfenen Zigaretten. Nikotin ist übrigens ein verwandter Stoff der Neonikotinoide, einem Insektizidwirkstoff, der verboten werden soll, da er als insektenfeindlich gilt.

Pflanzenschutzmittelrückstände sind auch manchmal im Grundwasser zu finden. Eine Ursachen dafür kann z.B. eine unsachgemäße Reinigung der Pflanzenschutzmittelausbringungsgeräte sein. Außerdem können Fehler bei der Ausbringung z. B. durch zu geringe Abstände zu Gewässern zu einem Eintrag führen. Werden Pflanzenschutzmittel auf eine Ackerfläche ausgebracht, werden die Wirkstoffe im Boden ab- und umgebaut. Man findet dann diese Abbauprodukte in geringen Mengen im Grundwasser.

Eine sehr große Eintragsmöglichkeit ist aber auch außerhalb der Landwirtschaft zu finden. Viele Wandfassaden wurden mit einem Pflanzenschutzmittel versetzt, um z. B. das Algenwachstum zu bremsen. Durch Regen gelangen diese Stoffe nach und nach in die Kanalisation. Zu einer  sehr großen Freisetzung dieser Stoffe kommt es bei Gebäudesanierungen. 


Thema Glyphosat

Ist Glyphosat nun gefährlich oder nicht? Darüber gibt dieses Video sehr detailliert Auskunft. Da dieses Video alle Seiten intensiv und aus meiner Sicht sehr sachlich beleuchtet, ist es wirklich sehr gut gelungen. Mein kleines Fazit: Die Gefahr, die  von Glyphosat ausgehen kann, wird unterschiedlich bewertet. Und das zurecht. Unterschiedliche Herangehensweisen der Untersuchungstechniken führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wie diese Ergebnisse einzuordnen sind, ist unterschiedlich zu interpretieren. Also haben auch alle ein Stück weit Recht. Aber schau Dir das Video am besten selbst an.... 


Thema Pflanzenschutzmittel

Sowohl konventionell wie auch biologisch wirtschaftende Betriebe dürfen Pflanzenschutzmittel einsetzen. Die Auswahl an Pflanzenschutzmitteln ist im konventionellem Anbau deutlich größer. Als Landwirt habe ich ein großes Interesse daran, möglichst wenig Pflanzenschutzmittel einzusetzen (es kostet Geld und Zeit). Ein Eintrag von giftigen Substanzen ins Grundwasser ist natürlich überhaupt nicht in meinem Sinne. Als unmittelbar zu Pflanzenschutzmitteln in Kontakt stehende Person habe ich natürlich auch ein riesiges Interesse daran, dass diese nicht gesundheitsschädlich sind. Es gibt mittlerweile fast keine Pflanzenschutzmittel mehr, die als giftig eingestuft werden. Einige Pflanzenschutzmittel sind aber reizend, ätzend, gesundheitsschädlich beim Einatmen, oder auch gefährlich für Gewässerorganismen. Deshalb ist ein richtiger Umgang mit diesen Mitteln sehr wichtig. Jeder Landwirt ist deshalb unter anderem zu regelmäßigen Schulungen verpflichtet. Bei richtiger Anwendung sollen keine Beeinträchtigungen zu erwarten sein. Die Kontrolle darüber übernimmt das Bundesamt für Risikobewertung. Pflanzenschutzmittel werden über die Bodenlebewesen abgebaut. Die Abbauprodukte findet man mit der heutigen Messtechnik in sehr kleinen Spuren teilweise im Grundwasser wieder.  

Unter diesem Link geht es zum BFR. Das ist das Bundesamt für Risikobewertung. Hier wird unter anderem erklärt, wie Pflanzenschutzmittel zugelassen werden.

 

https://www.bfr.bund.de/de/pflanzenschutzmittel-240.html


Thema Nitratbelastung im Grundwasser

Als Hintergrundinformation: Ein Landwirt ist verpflichtet, alle Stoffe, die Stickstoff enthalten (Silagesickersäfte, Gülle, Mist) aufzufangen und ggf. einzulagern. Es darf erst dann als Dünger auf die Felder gebracht werden, wenn ein nachgewiesener und schriftlich dokumentierter Düngerbedarf der darauf wachsenden Pflanzen besteht. Ein direktes Einleiten dieser Stoffe in Gewässer ist verboten und wird mit Strafen geahndet. 

Landwirte stehen für viele als Alleinverursacher für Nitratbelastungen im Grundwasser, sowie Rückstände von Antibiotika, Hormonen uvm. am Pranger. Christian Lohmeyer, ein Landwirt aus Niedersachsen, hat sich mal die Mühe gemacht, die regelmäßig veröffentlichten Berichte zur Arbeitsweise der Kläranlagen in Deutschland alle zu lesen. Das Ergebnis ist aus meiner Sicht eigentlich skandalös. Obwohl ganz bewusst große Mängel bei vielen Kläranlagen bestehen und sogar  riesige Mengen unserer Abwasser völlig legal ungeklärt einfach in die Gewässer geleitet werden, wird das als mögliche Ursache von Nitratbelastungen in Gewässern überhaupt nicht in Erwägung gezogen. Durch das Einleiten in Flüsse glaube ich nicht an eine große Beeinflussung des Grundwassers, aber zumindest gelangen diese Stoffe alle irgendwann in der Nordsee. In jedem Fall wird mit zweierlei Maßstäben gemessen! 

Zu beachten ist auch die nach wie vor große Zahl an Kläranlagen, die gar nicht an das öffentliche Netz angeschlossen sind. Es ist wichtig, dass diese Kläranlagen regelmäßig entleert werden. Ansonsten gelangt das Abwasser direkt in den Boden und ist dann im Grundwasser zu finden. 

https://www.facebook.com/100003184682039/posts/2455489557900510/


In diesem Video geht es um die Abwasserleitungen. Auch deren Zustand ist offenbar in manchen Bereichen bedenklich....

Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch defekte Abwasserleitungen keine Beeinträchtigung des Grundwassers stattfinden kann. Sieh Dir das Video am besten selbst an. 


Thema Insektensterben

Eines vorweg: Ich persönlich glaube schon, dass in den letzten Jahren die Zahl der Insekten insgesamt und auch die Zahl der Insektenarten zurückgegangen ist.

In dem folgenden Text, der unter dem Link veröffentlicht wurde, geht es um die Studie zum Insektensterben, die für die derzeitige Situation und Diskussion herangezogen wird. Als ich das gelesen habe, war ich wirklich fassungslos. Zwei Dinge gehen mir durch den Kopf: "Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast." "Man muss eine Sache nur immer wiederholen. Irgendwann glauben die Leute es."  Ich finde es unfassbar, dass eine Studie, die zur Unstudie des Monats gekürt wurde, weil sie offenbar nicht wissenschaftlich verarbeitet wurde, Grundlage der gesteigerten Auflagen für die Landwirtschaft heute sein soll. Erstmal muss gründlich nach Ursachen geforscht werden, dann müssen Lösungen erarbeitet werden. Nicht anders herum!

 

http://www.keckl.de/texte/Insekten%20Studie%20Junk%20Science%20okt17.pdf

 

 

 

Insektenstudie ist "Unstudie" des Monats

 

Das Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat die jüngsten Meldungen zum Insektensterben zur „Unstatistik des Monats“ erklärt. Es wirft die Frage auf, warum die Zahlen immer möglichst erschreckend sein sollen.

Biene im Brennpunkt: Statistiker zerlegen die Zahlen der jüngsten Studie zum "Insektensterben". (Foto: pexels.com)

 

Das Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat die jüngsten Meldungen zum Insektensterben zur „Unstatistik des Monats“ erklärt. Es wirft die Frage auf, warum die Zahlen immer möglichst erschreckend sein sollen.

Der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer weisen jeden Monat kritisch auf aktuelle Statistiken und deren Interpretationen hin. Diesmal kürten sie die jüngsten Meldungen zum Insektensterben zur "Unstatistik" des Monats.

Je nach Zeitpunkt 76% oder 30% weniger Insekten

Zu den kürzlich veröffentlichten Insektenzahlen teilt das RWI mit, dass der gemeldete Rückgang der Insekten um 76 % genau geprüft werden müsse: „Jede berichtete Abnahme zwischen zwei Zeitpunkten hängt davon ab, welchen Anfangszeitpunkt man wählt. Dies gilt besonders bei drastisch schwankenden Werten wie bei Börsenkursen und Biomassen von Insekten. Hätte man das Jahr 1991 statt 1989 als Anfangspunkt gewählt, wären es statt 76 % weniger Insekten nur etwa 30 % weniger gewesen.“

Ursachen untersuchen statt Panik verbreiten

Das sei immer noch ein Anlass zum Nachdenken über die Ursachen, zu denen die Studie keine Antworten gebe. „Es ist aber auch ein Anlass darüber nachzudenken, warum man immer wieder versucht, uns mit möglichst erschreckenden Zahlen Panik zu machen.“ (Str)

 


Das folgende Video setzt sich auch mit der Studie zum Insektensterben auseinander. Eine der wichtigen Kernaussagen. Der größte Rückgang der Insektenzahl fand im selben Jahr statt, in dem die UMTS-Lizenzen vergeben wurden. Zufall?

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WhatsApp Video 2019-11-07 at 06.45.51.mp
MP3 Audio Datei 24.5 MB

Thema Bürokratie

Mittlerweile gibt es unzählige Institutionen, die die Arbeit der Landwirtschaft kontrollieren. Diese Institutionen erarbeiten die Auflagen und kontrollieren diese. Außerdem benötigen Landwirte Beratungsangebote, um die Auflagen umzusetzen. Unglaublich viele Arbeitsplätze sind in diesem Bereich in der Vergangenheit geschaffen worden. Jeder dieser Arbeitsplätze muss auch bezahlt werden. Und jedes Jahr kommen Auflagen dazu. Besonders problematisch  daran: Es sind nicht alle Auflagen sinnvoll. Viele Auflagen entstehen um ihrer selbst Willen. Manche Auflagen werden gemacht, weil sie kontrollierbar sind, nicht weil sie sinnvoll sind. Spätestens an diesem Punkt ist mein Verständnis dafür vorbei. Der Bereich der Bürokratie ist in ganz vielen Branchen mittlerweile zu einem großen Problem geworden. Hier besteht Handlungsbedarf!


Thema Tiewohl

Es gab in den vergangenen 50 Jahren eine riesige Entwicklung bei der Milchleistung einer Kuh. Heute gibt eine Kuh teilweise mehr als 10.000 Liter Milch in einem Jahr. Vor 50 Jahren war es weniger als die Hälfte davon. Ein ganz wesentlicher Grund dafür ist, dass es den Tieren heute deutlich besser geht als früher. Vor 50 Jahren stand eine Kuh in einem Stall 6 Monate angebunden bei schlechter Luft in einem Anbindestall. Heute können sie sich in einem Boxenlaufstall immer frei bewegen, haben komfortable Liegebuchten, frische Luft und Kühlmöglichkeiten im Sommer. Bei uns auf dem Hof haben sie im Sommer auch Weidegang. Ist eine Kuh krank, gibt sie deutlich weniger Milch und muss im schlimmsten Fall den Betrieb vorzeitig verlassen. Das ist für jeden Landwirt nicht nur eine kleine wirtschaftliche Katastrophe, sondern auch eine emotionale und arbeitswirtschaftliche Belastung.  Deshalb ist es immer im Interesse eines Landwirtes, dass die Tiere gesund sind. Gleichwohl gibt es auch immer Verbesserungsmöglichkeiten und neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Ich habe auch durchaus Verständnis für alle, die wenig mit Landwirtschaft zu tun haben und dann erstmal alleine durch die großen Tierzahlen erschlagen sind. Aber auch hier gilt. Nachfragen, miteinander Reden und Sichtweisen austauschen hilft, viele scheinbare Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Als Landwirte sind wir täglich in der Pflicht, sorgsam mit Tieren und der Umwelt umzugehen. Es gibt sicherlich viele Bereiche, in denen wir uns verbessern können. Das steht außer Frage und ist unsere tägliche Aufgabe, die wir auch wahrnehmen möchten. Aber ohne eine ehrliche Diskussion mit einer wirklichen Suche nach Ursachen und Lösungen werden wir eins ganz sicher erreichen. Die Landwirtschaft wird ins entfernte Ausland verlagert, wo sich niemand so sehr um die Belange der Tiere und der Umwelt kümmert, wie hier in Nordwesteuropa.

Es gibt viele Wege, die Landwirtschaft zu fördern, die man haben möchte. Der größte Hebel liegt bei uns allen. Durch unseren täglichen Einkauf entscheiden wir jeden Tag über die Art und Weise.