Niedrige Milchpreise bestimmten das Jahr 2015 und 2016. Das Ende der niedrigen Milchauszahlungspreise ist zum Glück im November 2016 erreicht. 

 

 

Ursachen und Hintergründe

 

Die Hintergründe der schlechten Milchauszahlungspreise sind vielschichtig. Zum einen ist da der Wegfall der Milchquote zu nennen. Seit April 2015 gibt es keine staatliche Mengenbegrenzung der Milchanlieferung durch die Quote. Vorher durfte jeder Landwirt nur so viel Milch an die Molkerei abliefern, wie er auch Milchquote besaß. Eine Überlieferung der Quote war allerdings auch möglich. Jeder Landwirt der seine Milchquote überlieferte, musste allerdings mit Strafabgaben, der sogenannten Superabgabe rechnen. Ob diese Superabgabe gezahlt werden musste, hing von der in Deutschland insgesamt angelieferten Milch ab. Wenn die gesamte deutsche Milchmenge unter der Quotenmenge für Deutschland lag, blieb eine einzelbetriebliche Überlieferung straffrei. Im letzten Jahr der Milchquote wurde allerdings schon deutlich mehr Milch angeliefert als es Quote in Deutschland gab. Deshalb kam es zu einer sehr hohen Superabgabe für fast alle Betriebe, die ihre Milchquote überlieferten. 

Aus dieser Situation heraus (also mit einer hohen Milchanlieferungsmenge) starteten die Milchbauern dann in die milchquotenfreie Zeit. Es kam nur zu einem sehr geringen Mengenwachstum der Anlieferungsmilch von 1-2 %. Bei einer ähnlich hohen Nachfrage wie in den Vorjahren wäre dieser Anstieg leicht zu verkraften. Die Nachfrage brach allerdings in 2015 sehr stark ein. Durch den Importstopp von Russland wurde besonders der Export von Käse stark getroffen. Außerdem brach die Nachfrage der Chinesen deutlich ein. Diese beiden Länder hatten in den vergangenen Jahren sehr viele Milchprodukte gekauft und so den Milchmarkt in Europa "leergefegt", was zu einem sehr stabilen Milchpreis auf hohem Niveau geführt hatte. 

Die nun nicht mehr exportierte Milch drängte in 2015 auf den innereuropäischen Markt und sorgte für ein extrem hohes Angebot an Milchprodukten. Diese Situation machten sich die großen Einzelhandelsketten zu nutze und drückten den Preis nach unten.

 

Auswege aus der Krise und zukünftigen Krisen, die bestimmt wiederkommen

 

Am einfachsten wäre es natürlich, wenn die Milch wieder nach Russland und China exportiert werden könnte. Aber alleine darauf zu setzen kann auch zu lange dauern und viele Milchviehhalter und deren Familien um ihre Existenz bringen.

Ich würde mich freuen, wenn zunächst einmal die Einkäufer der großen Lebensmittelketten darauf verzichten würden, um den letzten Cent zu feilschen. Warum können sie zusammen nicht einen moralischen Mindestpreis festlegen, unter dem einfach nicht mehr gehandelt wird? Ich bezweifle sehr, das es dem Verbraucher auf die letzten 5 oder 10 Cent für die Milch ankommt. Letzten Endes ist ein fairer, kostendeckender Milchpreis eine absolute Grundvoraussetzung für eine von der Gesellschaft geforderten nachhaltigen Landwirtschaft und den dahinter stehenden Familien. Ohne einen kostendeckenden Milchpreis müssen wir als Landwirte auch sehr kurzfristig denken. Wir müssen uns zweimal überlegen, ob der Tierarzt eine Kuh behandeln soll oder ob wir das Geld dafür lieber erstmal sparen, um selbst über die Runden zu kommen. Langfristig ist das natürlich nicht der richtige Weg, da die Kuh wahrscheinlich mit der Behandlung noch länger ertragreich im Stall stehen könnte. Aber unter solchen Bedingungen werden einfach solche Entscheidungen gefällt.