Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung wird vom Verbraucher sehr kritisch beobachtet. Im Mastbereich bei Schweinen, Bullen und Geflügel wird bereits seit  Mitte 2014 ein Monitoring über den Antibiotikaverbrauch der Tiere auf den einzelnen Betrieben durchgeführt. Im Milchviehbereich gibt es so ein Monitoring bisher noch nicht.

 

Warum gibt es die Kritik am Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung?

Die Hauptsorge der Kritiker ist das sogenannte Auftreten von Resistenzen der Bakterien gegen Antibiotika. Das bedeutet, dass ein Antibiotika gegen eine Bakterieninfektion wirkungslos ist, da es die Bakterien nicht mehr abtöten kann. Entstehen kann eine solche Resistenz durch eine Mutation der Bakterien, die infolge der Mutation eine Antibiotikabehandlung überleben. Diese Bakterien vermehren sich dann wieder und können durch dieses eine Antibiotikum nicht mehr abgetötet werden. Es müssen dann andere Antibiotika verwendet werden. Es gibt auf dem Markt sehr viele verschiedene Antibiotika. Auf der anderen Seite gibt es aber auch schon einige Bakterien, die gegen sehr viele verschiedene Antibiotika resistent sind. Dies sind die sogenannten multiresistenten Keime.

 

Woher kommen multiresistente Keime?

Um die Wahrscheinlichkeit einer Resistenzbildung zu minimieren, ist es sehr wichtig, eine Antibiotikabehandlung vollständig bis zum Ende durchzuführen. Eine abgebrochene Therapie begünstigt das Überleben von mutierten Bakterien. Wird eine Therapie ordnungsgemäß zu Ende durchgeführt ist die Zahl der überlebenden Bakterien so gering, dass die körpereigenen Abwehrzellen alle verbleibenden Bakterien, also auch die mutierten resistenten Keime bekämpfen kann. Bei einem vorzeitigen Therapieabbruch ist die Zahl der überlebenden Bakterien eventuell zu hoch, so dass die Abwehrzellen nicht alle dieser Bakterien bekämpfen können. Die Bakterien beginnen dann erneut sich zu vermehren. Unter ihnen sind dann auch einige resistente Bakterien.

Woher kommen jetzt die resistenten Bakterienstämme in unseren Krankenhäusern? Viele Kritiker schieben die Hauptschuld auf den Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung. Aber ist das gerechtfertigt? Es gibt Untersuchungen, die eine Zunahme multiresistenter Keime in der Nutztierhaltung in den letzten Jahren zeigen. Bisherige Untersuchungen zeigten allerdings unterschiedliche Stämme der gefürchteten multiresistenten Keime in Krankenhäusern und denen der multiresistenten Keimen aus der Nutztierhaltung. 

Auf der anderen Seite frage ich mich, wie viele Menschen sich von ihrem Hausarzt Antibiotika verschreiben lassen? Haben diese Personen tatsächlich alle eine Bakterieninfektion? Nur dagegen hilft ein Antibiotikum; gegen eine normale Virusinfektion ist Antibiotika völlig wirkungslos. Und wie viele dieser Therapien werden vorzeitig abgebrochen, da sich der Patient bereits nach drei Tagen wieder gut fühlt, die Behandlung aber zum Beispiel 10 Tage laufen sollte? Ich bin mir sicher, dass in diesem Bereich einiges nicht ordnungsgemäß läuft. Eine gezielte Aufklärung über den richtigen Antibiotikaeinsatz bei einer Infektion wäre meiner Meinung nach sehr wichtig.

Um sicherzustellen, dass resistente Keime aus der Nutztierhaltung nicht auf den Bereich der Humanmedizin übergehen, wäre auch eine strikte Trennung von Antibiotika für die Humanmedizin und für die Veterinärmedizin meiner Meinung nach sinnvoll. Es wäre doch möglich, Antibiotika aus der Humanmedizin generell nicht in der Nutztierhaltung anzuwenden, sondern nur in absoluten Ausnahmefällen.

 

Warum versuchen wir, wenig Antibiotika einzusetzen?

 

Ein Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung ist grundsätzlich zu vermeiden. Er verursacht zum einen hohe Kosten, da die Milch zum Beispiel noch einige Tage nach der Behandlung nicht an die Molkerei geliefert werden darf. Außerdem sind die Kosten des Medikamentes selbst zu tragen. Und nicht zuletzt ist eine Antibiotikabehandlung für alle Lebewesen auch eine Belastung, da immer auch Bakterien mit abgetötet werden, die für den Organismus positive Arbeit verrichten.

 

Wie kann ein geringer Antibiotikaeinsatz erreicht werden?

 

Auf dem Brunkshof versuchen wir schon seit einiger Zeit, den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. Erreichen möchten wir das durch folgende Maßnahmen, die alle zum Ziel haben, die Hygiene im Stall zu verbessern und so den Krankheitsdruck zu reduzieren:

-vor jeder Neubelegung werden sowohl der Abkalbestall als auch die Kälberställe ausgemistet und mit einem Hochdruckreiniger gereinigt.

-die Liegebuchten für die Kühe werden zweimal täglich gereinigt und mit Sägespähne und Kalk eingestreut

-alle Tränkeeimer für die Kälbermilch werden nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt

-nach jeder Melkung am automatischen Melksystem wird das Melkgeschirr mit heissem Wasserdampf behandelt

Weitere Maßnahmen sollen den Tieren ein optimales Umfeld geben:

-täglich frisches Stroh in den Kälberställen und Abkalbeställen sorgt für trockene Liegeflächen 

-frische Luft in den Ställen durch den Einbau von Windschutznetzen sorgt für weniger Schadgase im Stall und somit für weniger Lungenkrankheiten

- viel Licht durch helle weiß gestrichene Ställe stärken das Wohlbefinden der Tiere und somit ihre Abwehrkräfte

-sauberes Tränkewasser, welches mit effektiven Mikroorganismen behandelt wird, soll die Abwehrkräfte der Tiere stärken.

Alle diese Maßnahmen haben in den letzten Jahren zu einem geringem Antibiotikaeinsatz geführt. Trotzdem lassen sich nicht alle Krankheiten aus dem Betrieb fernhalten. Ist ein Tier erstmal erkrankt, ist schnelle Hilfe dringend erforderlich. Antibiotika ist bei bakteriellen Infektionen eine Behandlungsmöglichkeit, aber nicht die einzige, die bei uns angewendet wird. Zunächst versuchen wir eine erfolgreiche Behandlung ohne Antibiotika durchzuführen. Eine Möglichkeiten zur Stärkung der Abwehrkräfte ist zum Beispiel der Einsatz von homöopathischen Präparaten. Diese können bei der richtigen Mittelwahl bei dem Tier die nötigen Selbstheilungskräfte aktivieren, so dass es auch ohne Antibiotikaeinsatz wieder gesund wird. Eine weitere Möglichkeit ist zum Beispiel der Einsatz von Quark bei einer Euterentzündung. Durch das äusserliche Auftragen auf das entzündete Euterviertel kann die Entzündung deutlich reduziert werden.


Fazit


Wie zu erkennen ist, ist mir das Thema "Antibiotika in der Tierhaltung" sehr wichtig. Wir investieren sehr viel Arbeit, um unsere Tiere gar nicht erst krank werden zu lassen. Kranke Tiere verursachen nicht nur viel mehr Arbeit und Kosten, sondern auch viele Bauchschmerzen bei den mit den Tieren arbeitenden Personen. Somit tun wir sehr viel dafür, um den Antibiotikaeinsatz gar nicht notwendig zu machen. Sollte ein Tier aber doch auf die Hilfe von Antibiotika angewiesen sein, setzen wir es auch ein und sind froh, dass wir diese Möglichkeit haben. Ein generelles Verbot von Antibiotika in der Tierhaltung (wie es auch teilweise gefordert wird) wäre aus Tierschutzgründen absolut untragbar.